Letzten Herbst gab uns das Versorgungsunternehmen, mit dem wir arbeiteten, ein Problem auf, das einfach klang: 14 Kilometer nackten 132-kV-Freileiter isolieren, der durch ein Küstenwaldstück verläuft. Die Leitung fiel immer wieder bei Nebel und Salznebel aus, und ein neuer isolierter Kabelzug kam nicht infrage — der Trassenkorridor war voll, und das Budget reichte nicht.

Warum wir den Beschichtungsroboter statt eines neuen Kabels wählten

Wir hatten schon kleinere Jobs mit dem Y100-C gemacht, aber nichts in diesem Maßstab. Die Idee war klar: den vorhandenen Leiter behalten, in eine ultraleichte Isolierschicht hüllen und vielleicht 80 bis 90 Prozent des Nutzens einer voll isolierten Leitung für einen Bruchteil der Kosten erreichen. Was niemand beziffern konnte, war, wie sich die Beschichtung nach einem Küstenwinter verhält.

Also machten wir erst einen Pilotabschnitt von 1,2 km. Drei Dinge kamen heraus, die im Prospekt nicht standen:

  • Die Oberfläche muss knochentrocken sein. Wir verloren zwei Tage durch einen Feuchtigkeitsschub, den wir aus der Seeklima-Vorhersage hätten vorhersehen müssen.
  • Die Schichtdicke ist wichtiger, als das Datenblatt sagt — wir landeten bei 2,4 mm statt der 2,0 mm Vorgabe, nachdem wir Feuchtekriechen an den dünnen Stellen gesehen hatten.
  • Findet das Team seinen Rhythmus, beschichtet ein Zweierteam etwa 600 bis 800 Meter pro Tag. Wer drängt, tauscht Qualität gegen Tempo.

Wovor einen keiner warnt: die Abnahme

Die technische Arbeit war früher fertig als geplant. Die Papiere nicht. Dem Anlagen-Team des Versorgers zu beweisen, dass ein beschichteter nackter Leiter "genauso sicher" ist wie ein werksisoliierter, dauerte länger als die Anwendung selbst — am Ende reichten wir Dielektrik-Prüfberichte von drei unabhängigen Laboren ein. Wer ein solches Projekt plant, sollte die Zertifizierungszeit einplanen, bevor die Teams gebucht sind.

Würden wir es wieder tun? Ja. Die Leitung ist seitdem kein einziges Mal ausgefallen. Aber die eigentliche Lektion ist langweilig: der Roboter ist der leichte Teil. Das Trocknungsfenster und die Abnahme entscheiden, ob die Saison gelingt.

M
Marco Vidal
Field Application Engineer

Marco war 11 Jahre im Freileitungsbau im Einsatz und unterstützt heute Versorger bei Beschichtungs- und Isolierungsprojekten vor Ort.

Kontakt